GWF nimmt regionales Entalkoholisierungszentrum in Betrieb

GWF nimmt Entalkoholisierungszentrum in Betrieb

Der fränkische Weinbau stellt die Weichen für die Zukunft. Während die Branche vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen steht, erschließt die Winzergemeinschaft Franken eG (GWF) ein dynamisch wachsendes Marktsegment: Mit einem hochkarätig besetzten Fachsymposium nahm die Genossenschaft heute am Standort Kitzingen das erste regionale Entalkoholisierungszentrum für Frankenwein in Betrieb. Mit einem Investitionsvolumen von rund 1,0 Mio. Euro (brutto) schließt die GWF eine entscheidende Infrastrukturlücke und bietet die Anlage als zentralen Dienstleister für alle fränkischen Weinbaubetriebe an – unabhängig von deren Größe oder Vermarktungsweg.

Prominente Unterstützung und fachlicher Austausch

Rund 100 geladene Experten aus Politik, Verbänden und der Winzerschaft feierten die Inbetriebnahme im Rahmen des Symposiums „Frankenwein alkoholfrei“. Den Auftakt bildete das Grußwort von Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention. Sie hob die gesellschaftliche Bedeutung alkoholfreier Alternativen hervor: „Innovationen wie diese zeigen, dass Genuss und Gesundheitsvorsorge in Bayern Hand in Hand gehen. Die GWF schafft hier ein Angebot, das dem modernen, bewussten Lebensstil der Menschen entspricht.“

In Fachvorträgen beleuchteten Experten die gesamte Wertschöpfungskette: Dr. Andreas Blank (Kieselmann) präsentierte die technische Überlegenheit der Membranfiltration, während Prof. Dr. Matthias Schmitt (Hochschule Geisenheim) und Johannes Burkert (LWG Veitshöchheim) über die sensorische Optimierung und die gezielte Auswahl geeigneter Grundweine referierten. Das juristische Fundament zur korrekten Etikettierung erläuterte Stephan Schmidt (Fränkischer Weinbauverband), Ralf Schwarz (Bezirk Unterfranken) die aktuelle Marktsituation und Produktbeispiele.

Antwort auf den Megatrend „Alkoholfrei“

Der Markt für alkoholfreie Weine wächst rasant; allein 2024 legte der Absatz um rund 30 Prozent zu. Bisher mussten fränkische Betriebe ihre Weine für die Entalkoholisierung in andere Bundesländer transportieren – ein logistischer und finanzieller Kraftakt, der die Wettbewerbsfähigkeit der Region schwächte. „Wir holen die Wertschöpfung zurück nach Franken“, betont der Vorstand der GWF. „Unser Ziel ist es, innerhalb der nächsten zehn Jahre über eine Million Liter alkoholfreien Wein in der Region zu produzieren und damit ein Marktpotenzial zu erschließen, das mit der Entwicklung bei alkoholfreiem Bier vergleichbar ist.“

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Entalkoholisierungsanlage der Winzergemeinschaft Franken. Foto: Winzergemeinschaft Franken eG, GWF, März 2026

Spitzentechnologie für maximalen Aromaschutz

Technischer Partner des neuen Zentrums ist der Anlagenbauer Kieselmann. Die installierte DEALC-Anlage basiert auf einer fortschrittlichen Membrantechnologie (Baujahr 2026), die eine effiziente Abtrennung von Ethanol bei gleichzeitiger Rückgewinnung aromaaktiver Verbindungen mittels Umkehrosmose erlaubt. Im Gegensatz zu thermischen Verfahren bleibt der typische Charakter fränkischer Rebsorten so bestmöglich erhalten. Mit einer Kapazität von 10.000 Litern pro Tag (über 2 Mio. Liter pro Jahr) ist das Zentrum für die steigende Nachfrage bestens gerüstet. Eine integrierte Velcorin-Dosierung sorgt zudem für die notwendige mikrobiologische Stabilität der alkoholfreien Produkte.

Regionale Solidarität und Standortsicherung

Das Projekt versteht sich als solidarischer Innovations-Hub für ganz Franken. Durch den Wegfall langer Transportwege sinken die Produktionskosten für die Winzer, was besonders kleinen, familiengeführten Weingütern den Zugang zum Wachstumsmarkt „Alkoholfrei“ ermöglicht. „Die GWF nimmt hier ihre Verantwortung als größte Winzergenossenschaft Bayerns wahr“, so die Verantwortlichen. „Indem wir die Anlage allen Betrieben öffnen, sichern wir Existenzen, stärken die Marke Franken und tragen aktiv dazu bei, die einzigartige fränkische Kulturlandschaft durch Bewirtschaftung zu erhalten.“

Zahlen & Fakten zum Entalkoholisierungszentrum:

  • Betreiber: Winzergemeinschaft Franken eG (GWF)
  • Investition: ca. 840.000 € netto (ca. 1,0 Mio. € brutto)
  • Technologie: Kieselmann DEALC Membran-Verfahren mit Aromarückgewinnung
  • Leistung: ca. 10.000 Liter / 24 h
  • Nutzen: Erschließung neuer Zielgruppen (Gesundheitsbewusste, Autofahrer), Senkung der Logistikkosten, Förderung der regionalen Wertschöpfung.