Biodiversität im Weinberg

Sieger des Wettbewerbs „Aufgeblüht“ ausgezeichnet

Biodiversität im Weinberg: Sieger des Wettbewerbs „Aufgeblüht“ ausgezeichnet

Umweltminister Glauber zeichnet Weingut Neder und Weingut Amling bei Preisverleihung in Ramsthal aus

Der Arbeitskreis Franken – Wein.Schöner.Land im Fränkischen Weinbauverband e.V. hat in Ramsthal die Sieger des Wettbewerbs „Aufgeblüht – unser Projekt für eine grüne und artenreiche Silvaner Heimat“ bekanntgegeben. Schirmherr Umweltminister Thorsten Glauber zeichnete das Weingut Neder aus Ramsthal und das Weingut Amling als Sieger aus. Weitere Auszeichungen erhielten Winzermeister Michael Göpfert für das Weingut Gebrüder Geiger jun. in Thüngersheim sowie das Weingut Keller aus Eußenheim. „Den großartigen Einsatz der Winzer, Weinbauvereine und Weinbaugemeinden für die Förderung der Biodiversität im Weinberg wollen wir mit diesem Wettbewerb besonders würdigen“, informiert der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Hermann Kolesch.

Die Sieger im Überblick

Weingut Neder, Ramsthal – Querterrassierung für Artenvielfalt in der Steillage

Das Weingut Neder realisierte im Frühjahr 2021 das Projekt „Querterrassierung“: Auf rund zwei Hektar wurden die Rebzeilen konsequent quer zum Hang angelegt, statt wie bisher in klassischer Fallrichtung. Auf der Fläche wachsen nun etwa 5.100 Rebstöcke der Sorten Silvaner und Grauburgunder. Die großzügigen Böschungsflächen wurden mit regionalem Saatgut eingesät und bieten seitdem Nahrung und Rückzugsraum für Insekten und Kleinlebewesen. Gemäht wird dort höchstens einmal jährlich – und erst nach der vollständigen Aussaat aller Blühpflanzen im Spätherbst. Die natürliche Vegetation schützt den Boden zudem vor Überhitzung und Erosion.

Weingut Amling, Untereisenheim – Vitiforst, Naturwein und gelebte Permakultur

David Amling, 30-jähriger Winzer und Weinbautechniker aus Untereisenheim an der Mainschleife, verbindet auf 6,5 Hektar eigener Rebfläche (ab 2026 Bio-zertifiziert) konsequent biologisch-dynamische Landwirtschaft mit Vitiforst- und Permakultur-Ansätzen. In seinen Weinbergen finden Disteln, Karden und Brennnesseln ebenso ihren Platz wie gepflanzte Bäume – Elsbeere, Speierling, Winterlinde, Maulbeere und verschiedene Birnensorten. Neue Rebflächen werden ausschließlich mit PIWI-Sorten bestockt und mit eigenem Kompost sowie selbst hergestellten Pflanzentees gestärkt. Amling engagiert sich darüber hinaus aktiv im Gemeinderat für Renaturierungsmaßnahmen in der Eisenheimer Flur und sieht es als sein Lebensprojekt, das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu schärfen.

Weitere Projekte asugezeichnet

Winzermeister Michael Göpfert, Margetshöchheim / Thüngersheim – Wasser als Motor der Biodiversität

Michael Göpfert, Winzermeister im Weingut Gebrüder Geiger jun. in Thüngersheim, schuf seit Frühjahr 2025 in der Weinlage Johannisberg ein naturnahes Biotop auf einer 912 Quadratmeter großen, ehemals bestockten Fläche. Herzstück ist ein 80 Meter langer, mit Teichfolie ausgekleideter Bachlauf, gespeist aus einer Entwässerungsrinne, der in einen neu angelegten Teich mit 16 Kubikmetern Fassungsvolumen mündet. Zehn Sommerflieder säumen den Bachlauf als Schmetterlingsmagnet. Das Areal wird ergänzt durch Totholz-Aufschichtungen, Nistkästen und 14 Wild-Speierlingbäume. Das Projekt belegt eindrucksvoll: Gezielte Wassernutzung kann in der Weinbergslandschaft artenreiche Pflanzen- und Tierwelt entstehen lassen.

Weingut Keller, Eußenheim – Ruhezone, Naschzeile und Weinsafe an der Wanderweggabelung

Ludwig und Maximilian Keller vom Weingut Keller in Eußenheim verwandelten in der Weinlage „Eußenheimer First“ eine ungenutzte Spitzfläche von rund 50 Quadratmetern in eine ökologisch wie weintouristisch wertvolle „Ruhezone“. Neben Steinriegeln, Rebstamm-Ablagestapeln und einem Insektenhotel aus Rundhölzern und Terrakottaschalen pflanzte die Familie einen Mandelbaum, eine Cornelkirsche und einen Weinbergspfirsich. Eine „Naschzeile“ mit sechs verschiedenen Tafeltraubensorten lädt Wanderer zum Probieren ein. Direkt an der belebten Kreuzung zweier Wanderwege gelegen, bietet der Platz mit buchbaren „Weinsafes“ – gekühlten Röhren im Boden mit Zahlenschloss und digitalem Code – ein innovatives Direktvermarktungskonzept inmitten der Natur.

Bewertungskriterien des Wettbewerbs

Die eingereichten Projekte wurden nach folgenden Kriterien bewertet: Elementform, Habitatvielfalt, Artenförderung, Strukturvernetzung, Umweltbildung, Sekundärstrukturen, Vernetzung-Element, Bezug zur Weinlage sowie Berücksichtigung von Schutzgebieten. Eine unabhängige Kommission aus Experten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), des Amts für Ländliche Entwicklung Unterfranken und des Fränkischen Weinbauverbands e. V. hat die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs „Aufgeblüht“ ermittelt.

Der Wettbewerb „Aufgeblüht“ steht für das wachsende Engagement der fränkischen Winzerinnen und Winzer, ihre Weinberge als Lebensäume für Wildpflanzen, Insekten und Tiere zu gestalten – und damit zugleich resilienter, klimafitter und schöner zu machen.

Fränkische Winzer seit Jahrzehnten im Einsatz für die Artenvielfalt

Bereits vor 25 Jahren hat der Arbeitskreis Franken-Wein.Schöner.Land im Fränkischen Weinbauverband durch die „Aktion Baum des Jahres für Frankens Weinberge“ ein erstes Projekt zur Förderung der Strukturvielfalt gestartet. Mit Unterstützung der Weinbauvereine wurden über 2.000 Bäume in der Weinkulturlandschaft gepflanzt.

Seit 2012 laufen umfangreiche Musterprojekte mit Unterstützung der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zur Förderung der Artenvielfalt in den Weinbergen Frankens. Diese beinhalten Maßnahmen wie Querterrassierung, Steinriegel, Blühflächen, Brachen, Totholzstrukturen und Nistkästen für Vögel und Fledermäuse.

Neu geschaffene Stellen von Wildlebensraumberatern unterstützen den Transformationsprozess hin zu mehr Biodiversität in der Weinkulturlandschaft. Im Jahr 2023 konnten sich Winzer, Weinbauvereine oder Weinorte für die neu geschaffene Aktion „Aufgeblüht“ erstmalig bewerben. Eine unabhängige Kommission, bestehend aus der Wildlebensraumberaterin der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) dem Projektverantwortlichen „FlurNatur“ vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE) wie Vertretern des Fränkischen Weinbauverbandes e. V. besichtigte und bewertete die Projekte vor Ort.