Ausstellung: Jüdische Weinhandelsfamilien im Schweinfurt des 19. und 20. Jahrhunderts

Eine vergessene Erfolgsgeschichte: Jüdische Weinhandelsfamilien im Schweinfurt des 19. und 20. Jahrhunderts

Am Dienstag, 15. September 2026, wird im Bayerischen Hauptstaatsarchiv die kleine Ausstellung „Eine vergessene Erfolgsgeschichte: Jüdische Weinhandelsfamilien im Schweinfurt des 19. und 20. Jahrhunderts“ eröffnet.

Historischer Hintergrund der jündischen Weinhandelsfamilien

Nach der Vertreibung der Schweinfurter Juden im 16. Jahrhundert war jüdisches Leben um die Reichsstadt Schweinfurt ländlich geprägt. Gerade im heutigen Unterfranken siedelten reichsfreie Ritter nach dem Dreißigjährigen Krieg in ihren Territorien Juden an, um ihre Kassen aufzufüllen und verlassene Gebiete neu zu bevölkern. Unter Beibehaltung ihrer Kultur organisierten sich die
dort verstreut lebenden Landjuden selbst und bedienten mit dem Klein- und Hausierhandel eine wichtige, aber konfliktträchtige Marktnische. Streng kontrolliert tolerierte auch Schweinfurt die jüdischen Händler tagsüber in der Stadt.

Ausstellung zu jüdischen Weinhandelsfamilien in Schweinfurt des 19. und 20. Jahrhunderts

Erst nach der Französischen Revolution gab es im Geist der Aufklärung Veränderungen. Die Gebietsgewinne Bayerns in Schwaben und Franken während der Napoleonischen Kriege führten auch zu einem Anwachsen des jüdischen Bevölkerungsanteils. Das 1813 erlassene Judenedikt, das zwar auch wirtschaftliche Freiheiten gewährte, jedoch Ansiedlungen streng regulierte, zeichnete den Weg für Bayerns Juden für die kommenden knapp 50 Jahre vor.

Im bayerischen Schweinfurt war die Einwohnerzahl der Juden somit bis zur Aufhebung dieses Edikts 1861 stark eingeschränkt. Erst danach konnte sich auch dort dank liberaler Aufnahme- bzw. Gewerbegesetze und rechtlicher Gleichstellung das jüdische Leben breiter entfalten. Mehr als 450 Jüdinnen und Juden lebten allerdings nie in Schweinfurt. Nach Gründung einer israelitischen Kultusgemeinde und Übertragung des Distriktsrabbinatssitzes wurden in Schweinfurt um 1870 eine Synagoge und eine jüdische Friedhofsabteilung errichtet.

Im Erwerbswesen der Juden dominierte der Einzel- und Großhandel mit Wein. Während politische Teilhabe begrenzt blieb, bereicherten die ortsansässigen Juden das gesellschaftlich-kulturelle Leben der Stadt. Viele von ihnen nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Dennoch blieb Antisemitismus ein steter Begleiter und wurde mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Staatsräson.

Beinahe alle Schweinfurter Juden, die nicht fliehen konnten, fielen der Shoa zum Opfer. Die Ausstellung stellt vier herausragende jüdische Weinhandelsfamilien aus Schweinfurt vor. Nach zähen Verhandlungen gelang den Kleemanns aus der Nachbargemeinde Schonungen gegen heftige Widerstände als ersten Juden 1817 die Aufnahme in Schweinfurt. Sie etablierten von dort ein
europaweites Weinhandelsnetzwerk und errichteten die erste Likörfabrik der Stadt.

Die von Marktsteft bei Kitzingen herziehenden, späteren Wein-, Zigarren- und Spirituosenhändler. Weil ließen sich 1863 in prominenter Lage am Markt nieder. Obwohl in der Shoa eine komplette Generation der Familie ermordet wurde, halten Nachfahren bis heute Kontakt zu Schweinfurt. Ebenfalls in den 1860er Jahren fanden die aus Sommerach bei Volkach stammenden Wein- und Likörhändler Mohrenwitz Aufnahme. Dank ihres reichsweiten Handelsvertreternetzes stiegen sie als königlich bayerische Hoflieferanten in die Schweinfurter Wirtschaftselite auf. Gesellschaftliches
Engagement war ihnen dabei sehr wichtig.

Beinahe zeitgleich gelang den Hirschs aus Frankenwinheim bei Gerolzhofen aufgrund der Gründung von Zweigniederlassungen in Düsseldorf und Leipzig ein ähnlich fulminanter Aufstieg als Likörhändler und Weinessigfabrikanten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie für ihre Verluste völlig unzureichend entschädigt.

Die Ausstellung kann vom 15. September bis 13. Oktober 2026 im Hauptgebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (Treppenhaus, 1. OG), Schönfeldstraße 5, 80539 München, besucht werden.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.30–18.00 Uhr, Freitag 8.30–13.30 Uhr.
Eintritt frei.
Allgemeine öffentliche Führungen: Donnerstag 24.9., Dienstag 29.9., Dienstag 6.10., jeweils um 15 Uhr


Weitere Informationen unter www.gda.bayern.de